¡Hasta la victoria siempre! Zum Geburtstag Che Guevaras

Heute vor 93 Jahren wurde der Revolutionär Che Guevara geboren. Er spielte zusammen mit seinem Kampfgefährten Fidel Castro, seineszeichen kein Marxist, eine wichtige Rolle beim Sturz der Batista-Diktatur in Kuba. Nach dem Sieg der Revolution versuchte er mehrere Jahre beim Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu helfen. Doch je mehr er sich damit beschäftigte, desto mehr widerte ihn das stalinistische System der Sowjetunion an, der in weiten Teilen auch auf Kuba installiert wurde. Schließlich zog es ihn weg von seinem Ministerposten, um sich in Lebensgefahr zu begeben und revolutionäre Befreiungsbewegungen zu unterstützen. Im Kongo und in Angola war das Vorhaben nicht erfolgreich, in Kolumbien wurde Che, wie viele andere Kämpfer:innen, beim Versuch ermordet. Was bleibt ist das Andenken an einen Internationalisten und sozialistischen Revolutionär, der fernab seiner Heimat sein Leben für den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung ließ. Und viele politische Fehler, aus denen wir lernen wollen.

Das Ende der Batista-Diktatur 1959 bedeutete für die Masse der kubanischen Bevölkerung eine deutliche Verbesserung. Dennoch lag die Macht zu keinem Zeitpunkt in den Händen der Arbeiter*innenklasse, wie es nach Marx und Engels in einem sozialistischem Staate der Fall wäre.
Kuba zeigte, dass der Guerillakampf höchstens als Ergänzung hilfreich sein kann. Die Macht, die ökonomischen Prozesse eines Landes stillzulegen, liegt einzig bei der Klasse der Arbeitenden. Gleichzeitig kann sie Strukturen bilden, die erst Kampforgane, dann Organe zur Machteroberung und schließlich Organe zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft werden können. Demgegenüber ist der Guerillakampf von militärischen Strukturen geprägt, die Stellvertretertum fördern und die Selbstorganisation der Massen erschweren. Auch wenn die Selbstorganisation der Arbeiter:innen unter diktatorischen Bedingungen deutlich erschwert ist kann die soziale Befreiung nicht auf eine Guerilla ausgelagert werden. So gelang der Sturz der Batista-Diktatur erst, als die Massen in den Städten sich erhoben und in den Generalstreik traten.

Die kubanische Revolution lehrt uns, dass eine geplante Wirtschaft - auch wenn sie dort nicht von der gesamten Gesellschaft demokratisch organisiert wurde - zwangsläufig zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerungsmehrheit führt. 1960, als das Land noch stark von der Ausbeutung und Armut der gerade erst überwundenen Diktatur geprägt war, lag die Kindersterblichkeit bei etwa 55 von 1000 Lebendgeburten. 2019 starben nur noch etwa fünf von 1000 Kindern in den ersten fünf Lebensjahren, in keinem Lateinamerikanischen Land sind es weniger. Zum Vergleich: Im reichen Deutschland sind es knapp vier. Diese Entwicklung war trotz der Isolation durch die USA und andere imperialistische Länder möglich, weil das staatliche Gesundheitssystem für alle frei zugänglich ist und der Lebensstandard durch planwirtschaftliche Elemente gesteigert werden konnte. Im Zeitraum 2010-2015 hatten Kubaner:innen eine höhere Lebenserwartung als US-Amerikaner:innen. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 in Italien wütete schickte Kuba Ärzt:innen, während von den reichen Ländern keine Hilfe kam. Es entwickelte einen eigenen Impfstoff, bis Jahresende soll die Bevölkerung durchgeimpft sein.

Doch bei allen Errungenschaften: Wir wollen die Probleme nicht wegreden. Auf Kuba gab es bisher keinen Sozialismus. Es gab und gibt kaum demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten auf Kuba. Das rächt sich jetzt: Die politische Führung integriert mehr und mehr Marktmechanismen. Je stärker der Kapitalismus wieder eingeführt wird, desto klarer wird: Dieser bedeutet Ausbeutung durch wirtschaftlich stärkere Mächte. Lange überwunden geglaubte Anzeichen von Armut wie die Prostitution boomen inzwischen.

Der revolutionäre Umsturz lehrt uns die Relevanz einer organisierten Schicht von Arbeiter:innen und die Notwendigkeit des ökonomischen Kampfes. Der kubanische Generalstreik 1959 zwang die dortige Bourgeoise in die Knie und ebnete den Weg zu einer sozialistischen, klassenlosen Gesellschaft, der durch die Herrschaft Castros und seiner Kaste leider nicht konsequent zu Ende gegangen wurde.

Wir lernen aus den Siegen und den Fehlern der Arbeiter:innenbewegung für zukünftige Kämpfe und gedenken heute Che Guevara, der mit seinem Leben einen wichtigen Teil zu unserer Geschichte beigetragen hat.