Solidarität mit den Kolleg:innen aus der Stahl- und Elektroindustrie!

In den letzten Monaten gingen bundesweit fast eine Million Kolleg:innen aus der Metall- und Elektroindustrie in Form von Warnstreiks auf die Straße, um für faire Bezahlung, zukunfts- und krisensichere Jobs und Arbeitszeitverkürzungen zu kämpfen. In vielen Städten in konnte man ihre ausgeprägte Kampfbereitschaft wahrnehmen - im Schnitt haben täglich 24.000 Kolleg:innen ihre Arbeit niedergelegt, ob im Home-Office oder im Betrieb. Der Organisationsgrad ist in dieser Branche traditionell sehr hoch, fast jede:r ist Gewerkschaftsmitglied. Deshalb wundert es nicht, dass so viele Kolleg:innen und Azubis, gerade in NRW, gegen ihre Bosse auf die Straße gegangen sind.

Die IG Metall stieg mit der Hauptforderung von bis zu 4% Lohnerhöhung in den Ring. Womit die Mitarbeiter:innen nun abgespeist wurden, ist sehr weit davon entfernt. Verhandelt wurde ein sogenanntes „Transformationsgeld“ – Der Monatslohn erhöht sich um 2,3% (was voraussichtlich nicht mal die Inflation seit der letzten Erhöhung abdecken und damit einen Reallohnverlust bedeuten wird), allerdings wird den Mitarbeiter:innen das Geld nicht direkt ausgezahlt. Der Betrieb spart das Geld selbst an und kann sich im Februar des nächsten Jahres selbst entscheiden, ob er es auszahlt – Denn wenn der Betrieb nicht genug Gewinn eingefahren hat, kann mit dem „Transformationsgeld“ auch eine Arbeitszeitverkürzung umgesetzt werden. Mit dem angesparten Geld könnte dann eine wöchentliche Absenkung von 35 auf 32 Stunden erfolgen, bei der aber 34 Stunden ausgezahlt würden. In dem hier ausgehandelten Konzept würden die Kolleg:innen trotz „Transformationsgeld“ immer noch weniger Lohn bei einer Arbeitszeitverkürzung bekommen als sonst. Dass die IG Metall sich auf einen so schwachen Abschluss einlässt, kann nicht zufriedenstellend sein.

Als linksjugend ['solid] NRW setzen wir uns für eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich ein – ohne Kompromisse. In Zeiten, in denen Betriebe weniger Aufträge bekommen, muss eine solche Arbeitszeitverkürzung ein wichtiges Mittel sein, um Arbeitsplätze zu retten. Eine solche Maßnahme kann und muss von den Profiten der Konzerne finanziert werden, und nicht vom Ersparten der Arbeiter:innen! Ein voller Personalausgleich ist außerdem möglich, denn es gäbe genug Arbeit wenn die Produktion auf gesellschaftlich sinnvolle und nötige Güter umgestellt würde. Doch dafür ist nötig, was die IG Metall in ihrer Satzung als Ziel benennt: Die Überführung marktbeherrschender Unternehmen in Gemeineigentum. Stattdessen wird der jetzige Abschluss, wie auch der Verzicht in der Vergangenheit, weiteren Stellenabbau nicht verhindern.

Über die hier erzielte Niederlage kann auch der einmalige „Corona-Bonus“ von 500€ nicht hinweg täuschen. Im Gegenteil, dieser wir nämlich gar nicht allen ausgezahlt. Auszubildende zum Beispiel erhalten lediglich 300€, obwohl sie kaum Geld ansparen konnten und damit oft härter von der Krise betroffen sind.

Auf der Seite der Bosse wird das Ergebnis als Erfolg verbucht. Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf sprach von einem „Signal der Hoffnung“ und meint damit vor allem, dass das Kapital weiter hoffen kann, nicht ernsthaft von der IG Metall-Führung angegriffen zu werden. Im Gegenteil – Ein anderer Absatz aus dem Verhandlungsergebnis erlaubt es Betrieben, die 2018 erkämpfte Sonderzahlung von 400€, die im Oktober hätte ausgezahlt werden sollen, zu streichen! Davon könnten Betriebe Gebrauch machen, deren Nettoumsatzrendite unter 2,3% fällt, laut Wolf beträfe das etwa ein Drittel aller Betriebe. Damit wäre dann auch der Corona-Bonus eine Nullnummer, Azubis zahlen unterm Strich sogar drauf.

In unserem Verband organisieren sich u.a. Arbeiter:innen und Auszubildende, die von diesem Abschluss betroffen sind. Dass die IG Metall-Führung uns dieses Ergebnis als Sieg verkaufen will, ist mehr als dreist. Der Druck auf der Straße war da – Die Kolleg:innen wären in der Lage gewesen, mit ihrer Kampfkraft eine deutliche Lohnsteigerung zu erkämpfen. Das Co-Management der IGM-Führung hat den Arbeiter:innen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf sie können wir uns nicht verlassen. Deshalb braucht es Druck auf die IGM-Spitze für einen kämpferischen Kurswechsel. Kritische Kolleg:innen sollten sich innerhalb der Gewerkschaften vernetzen und eine Plattform für kämpferische Forderungen bilden. Ein solcher Druck von der Basis könnte einen Einfluss auf die Ausrichtung der IG Metall haben und Solidarität zwischen Belegschaften herstellen. Deswegen unterstützen wir die Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (VKG), in der auch Mitglieder von uns aktiv für eine Kursänderung der Gewerkschaften kämpfen.

Wir fordern von der IGM-Führung das Ende der sogenannten Sozialpartnerschaft mit den Bossen! Mit dieser Tarifrunde hat die IG Metall-Führung eine große Chance verpasst, um Kolleg:innen aus allen Betrieben gemeinsam zu mobilisieren. Mit dem Einsatz der gesamten Kampfkraft hätten die Forderungen voll durchgesetzt werden können. Dieser Abschluss ist hingegen kein Signal, sich nun an den dennoch nötigen Kampf zur Verteidigung aller Arbeitsplätze zu machen. Die linksjugend ['solid] NRW steht dennoch solidarisch an der Seite der Kolleg:innen und wird weiter mit ihnen für eine kämpferische IG Metall streiten.