#NOlympia - Gegen die Profitspiele an Rhein und Ruhr!

In fast 15 Kommunen im Ruhrgebiet und im Rheinland hätten CDU, SPD, Grüne und FDP gerne Olympische Spiele im Jahr 2032. Obwohl das IOC dem kürzlich erst mit der Bevorzugung Australiens einen Riegel vorgeschoben hat, wollen die Landesregierung und etliche kommunale Gliederungen der kapitalistischen Parteien an den absurden Plänen für Olympia festhalten.

Das Ganze lief schon jetzt in einem zwielichtigen Verfahren: Die beteiligten Kommunen haben bisher nicht mal eine genaue Vorlage erhalten, was genau passieren soll. Auch gibt es noch nicht im Geringsten eine Auflistung über die Kosten. Trotzdem sollen die Stadträte in ihren kommenden Sitzungen bereits den Beschluss fassen, einen Bürgerentscheid durchzuführen. Dieser soll, ginge nach Geschäftsführer Michael Mronz der Rhein Ruhr City GmbH, die maßgeblich die Planungen für Olympia 2032 betreibt, bereits am 26.09. parallel zur Bundestagswahl stattfinden. Das würde auf jeden Fall die Mindestbeteiligung sichern, die es für solche Bürgerentscheide braucht, an der es sonst wohl schon in einigen Städten scheitern würde. Der vorgesehene Wahlzettel gleicht mehr einem Blanko-Check, denn es sollte einzig die Möglichkeit geben, mit „ja“ oder „nein“ zu stimmen auf die schlichte Frage, ob man denn Olympia wolle. Ein solcher Freifahrtschein wäre völlig einmalig in der Geschichte deutscher Bürgerentscheide.

Gegen olympische Spiele spricht vieles: Die meisten Regionen profitieren nicht von Olympia, sie leiden eher an der in massivem Ausmaß errichteten Infrastruktur, die anschließend keiner mehr braucht. Gerade eine derart verarmte Region wie das Ruhrgebiet mit den größten Schuldenbergen Deutschlands würde wohl kaum besser aus den Spielen hervorgehen als vorher, denn nach wie vor ist es grundsätzlich der Fall, dass die Kosten für die Ausrichtung der Spiele hauptsächlich Bund, Länder und Kommunen, also die Steuerkasse bezahlt, während nahezu sämtliche Gewinne an die zahlreichen Unternehmen, Vereine und Konzerne dahinter fließen.

Doch Einiges klingt auch verlockend: Zum Beispiel könnte nach den jetzigen Vorschlägen der ÖPNV in der Region deutlich gestärkt werden und ein Monatsticket für alle für 50€ auf den Markt kommen. Die Grünen sprechen sogar von den „nachhaltigsten olympischen Spielen, die es je gab“, da bei uns im Vergleich zu anderen Regionen der Welt die meisten benötigten Sportflächen und Stadien bereits vorhanden sind. Welche Ironie – als müssten für diese Spiele nicht zehntausende Menschen aus aller Welt Flüge und Rückflüge über tausende Kilometer bestreiten. Und auch der Eindruck der Infrastruktur täuscht: Wenn wir das Ziel der Begrenzung der Klimaerwärmung nachhaltig auf 1,5°C beschränken wollen, dann braucht es lange vor Olympia unter anderem eine echte Verkehrswende mit kostenlosem Nahverkehr für alle – 2032 ist dafür das Gegenteil von Rechtzeitig!

Gegen Mronz, Witwer von Guido Westerwelle und bereits durch einige Skandale bekannt, erhebt nun selbst die schwarz-gelbe Landesregierung Vorwürfe: Nicht mal ihnen seien ausreichende und glaubwürdige Informationen vorgelegt worden. Und der Spuk ist noch nicht vorbei, denn Mronz will entgegen der meisten Stimmen, selbst aus dem Deutschen Olympischen Sportbund, weiter an Rhein-Ruhr-Olympia festhalten. Die Absage des Internationalen Olympischen Komitees respektiert er nicht. Damit beweist Mronz eine wirklich einmalige Überheblichkeit und beispiellos rücksichtslose Selbstgefälligkeit.

Als wäre das nicht pervers genug, wollen Mronz und die NRW-Landesregierung im Falle einer endgültigen Absage für 2032 die Olympischen Spiele 2036 nach Deutschland holen. Dann genau 100 Jahre nach den Nazi-Spielen im Jahr 1936 in Berlin. Diese nutzte Hitler nach der Machtergreifung für wochenlange und völlig schamlose Propaganda. Alleine die ernsthafte Überlegung, zu diesem mehr als unrühmlichen Jubiläum eine Bewerbung einzureichen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, psychisch Kranke, Behinderte, Gewerkschaftler und Kommunisten, die damals durch die Taten auf dem Nährboden eben dieser Propaganda im industriellen Maßstab grausam ermordet worden sind.

Diesem Mann, der die Nazispiele von 1936 feierlich in Deutschland propagieren möchte, muss man jedwede Verantwortung entziehen. Rhein-Ruhr City GmbH auflösen! Kein Olympia in unserem Land oder sonst wo! Echten Klimaschutz mit nachhaltiger moderner Infrastruktur braucht es jetzt sofort und weder „durch“ noch „für“ Olympia! Stattdessen gehört der Breitensport gefördert und für alle Menschen inklusiv und zugänglich gemacht; aber niemand braucht die riesigen Profitspiele aus den feuchten Träumen eines Mannes mit mehr als fragwürdigem Demokratieverständnis!