Queer ist klasse! Für eine klassenkämpferische LGBTIQ+-Bewegung! Gegen Queerfeindlichkeit und Kapitalismus!

Betrachtet man die Situation heute könnte man meinen, die Emanzipation von Queeren Menschen gehe immer weiter voran. Einmal jährlich werden bunte und laute CSDs in allen größeren Städten gefeiert. Die Ehe für alle wurde 2017 auch in Deutschland eingeführt. Musiker*innen, Filmstars und Influencer leben ihre Geschlechteridentität und Sexualität offen aus. Also alles auf dem besten Weg?
Viele dieser Errungenschaften fühlen sich – gerade, weil lange und teilweise hart dafür gekämpft werden musste – bedeutender an als sie eigentlich sind. Sie sind auch nicht so sicher wie es vielleicht den Anschein hat. Gesetze und Rechte können von den Herrschenden erlassen aber auch wieder zurückgenommen werden. Wir sind noch weit von einem offenen Umgang mit Sexualität und Geschlechteridentität entfernt. Die Fokussierung von Queeren Vereinigungen auf reine Lobbyarbeit hat Illusionen geschürt, dass eine rein rechtliche Gleichstellung und Sichtbarkeit auch zu mehr tiefgreifender gesellschaftlicher Akzeptanz führen würde.

EHE FÜR ALLE UND JETZT?
2017 wurde auch in Deutschland nach langjähriger Lobbyarbeit die Ehe für alle gesetzlich eingeführt und genießt in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz. Der "Bewegung" fehlte es aber vor allen an einem, der Bewegung an sich. Zwar wurde die Forderung nach der Ehe für alle auch auf verschiedenen CSD Demonstrationen aufgegriffen allerdings konnte kein wirklicher Druck auf die Regierung ausgeübt werden. Wir müssen uns aus der Sackgasse des Lobbyarbeit befreien und eine Bewegung gemeinsam mit Mieter*innen, Jugendlichen, Arbeiter*innen und anderen Unterdrückten aufbauen.

RECHTE VON TRANS*PERSONEN
Seit Jahrzehnten müssen Trans* Menschen tagtäglich Diskriminierungen bei der Jobsuche, im Beruf, oder im Alltag über sich ergehen lassen. Sie werden regelmäßig vom Arbeitsleben ausgeschlossen, sind häufiger Opfer sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz und werden auf der Straße oft kritisch beäugt oder beleidigt. Das Coming out und die langwierigen Verwaltungs-, so wie medizinischen Prozesse sind ein Belastung für die Psyche vieler Trans* Personen. Wir brauchen einen einfacheren Zugang zu medizinischer, sowie psychologischer Beratung. Dabei darf es keine unnötig langen Wartezeiten für den Beginn von Hormontherapien geben, sondern muss individuell auf die Bedürfnisse von Trans* Personen eingegangen werden.

AUF WELCHER SEITE STEHEN WIR?
Homo- und Trans*feindlichkeit fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Staat, Kirchen und rechten Parteien immer wieder heraufbeschworen. Für Queere Personen gehören Diskriminierung, Anfeindungen oder Ausschluss aus der Gesellschaft oft zum Alltag. Die sexuelle Orientierung oder die Geschlechteridentität legen nicht die politische Einstellung fest. Somit ist es nicht damit getan Queere Menschen in Machtpositionen zu bringen um Unterdrückung aufzuheben. Auch wenn es einzelne Personen unter den Herrschenden geben mag, die durchaus gewillt sind Verbesserungen für Queere Menschen zuzulassen, sind sie doch in den Zwängen des Kapitalismus gefangen, welcher Ausbeutung Elend und Krise bedeutet und somit vor allem Ungleichheit erzeugt. Wir haben viel mehr mit unseren nicht Queeren Kolleg*innen und Nachbar*innen gemeinsam als mit Jens Spahn, Alice Weidel oder Caitlyn Jenner. Die bestehende kapitalistische Ordnung profitiert davon unsere Unterschiede zu betonen uns gegeneinander auszuspielen und so unsere Klasseninteressen zu verwischen. Konzerne profitieren davon, wenn sie sich einem gesellschaftlichen Trend anschließen und zum CSD ihre Queer freundliche Marketingtrommel rühren. Aber das sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Unternehmen von einer in Geschlechter, Identitäten, Nationalitäten usw. gespaltenen Gesellschaft profitieren. In Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit wird nach Sündenböcken gesucht, um von den wirklichen Problemen und Ursachen der Krise abzulenken. Dabei greifen vor allem Rechte gerne auf Homophobie und Trans*feindlichkeit zurück.
Wer sind also unsere Bündnispartner im Kampf um Gleichstellung?

IDENTITÄTSPOLITIK VS KLASSENKAMPF
Durch die Gesellschaft geht ein tiefer Riss: zwischen denen, die Produktionsmittel besitzen, und denen, die für sie arbeiten müssen. Das sind auf der einen Seite Kapitalist*innen, die nur einen Bruchteil der Bevölkerung ausmachen, und auf der anderen Seite Arbeiter*innen, die die große Mehrheit bilden. Letztere müssen bis ins hohe Alter schuften, und das nur dafür, dass am Ende ein großer Teil des Wertes, den sie produzieren, an ihre Arbeitgeber*innen, also die kapitalistische Klasse, geht. Der Kapitalismus stützt sich vor allem auch auf die Spaltung der Arbeitenden und Erwerbslosen in ihre sexuelle Orientierung, Geschlecht, Herkunft, Nationalität und vieles mehr, um die Herrschaft einer kleinen Minderheit an Kapitalist*innen über die Mehrheit der Bevölkerung sicher zu stellen. Homophobie und Trans*feindlichkeit sind Mittel um die Gesellschaft zu spalten. Der Kampf um geschlechtliche Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung ist und bleibt wichtiger Bestandteil von linker Politik. Jedoch bietet er nicht die Grundlage die Verhältnisse, in denen wir leben – die Produktionsverhältnisse – grundlegend zu verändern. Nur wenn wir unsere Kämpfe für Gleichberechtigung mit den Kämpfen der Arbeiter*innenklasse verbinden, können wir die Kraft entwickeln an den Grundpfeilern dieses Systems zu rütteln. Wie der Bergarbeiter*innenstreik 1984/85 in Großbritannien, der durch LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners) unterstützt wurde, zeigte, konnte in den folgenden Jahren mit der Unterstützung der mächtigen Bergarbeitergewerkschaften der nötige Druck aufgebaut werden um z.B. die Unterstützung der Rechte von Homosexuellen in das Programm der Labour Partei aufzunehmen. Vor allem Gewerkschaften müssen eine besondere Rolle dabei einnehmen gegen Homo- und Trans*phobe Praktiken – gleiches gilt für Rassismus und Sexismus – am Arbeitsplatz vorzugehen und die Solidarität zwischen den Kolleg*innen zu schärfen.

Wenn der Kapitalismus nicht in der Lage ist echte Gleichstellung und Gerechtigkeit herzustellen, für welche Gesellschaft kämpfen wir dann?

SOZIALISTISCHE GESELLSCHAFT
Wir kämpfen für eine sozialistische Gesellschaft, in der das Profit- und Konkurrenzsystem beseitigt ist und die Wirtschaft demokratisch nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen geplant wird. Nur so können wir die Voraussetzungen schaffen um Diskriminierung den Boden zu entziehen. Vorurteile, Ängste und Spaltung würden ihre Grundlage verlieren.
Der Kapitalismus schafft sich aber nicht von selber ab, sondern kann nur überwunden werden, wenn wir uns gemeinsam organisieren und Queere Menschen mit dem Kampf für Gleichstellung nicht alleine lassen.

  • Für die Gleichstellung aller Lebensweisen - egal ob verheiratet oder nicht!
  • Für vorurteilsfreie sexuelle Aufklärung von Jugendlichen an Schulen und durch öffentliche staatlich finanzierte Projekte!
  • Für die freie Entscheidung über unsere Körper ohne staatliche oder religiöse Mitbestimmung!
  • Für ein öffentliches und kostenloses Gesundheitswesen für Alle, das auch Geschlechtsangleichungen mit einschließt!
  • Für das vollständige Verbot von sogenannten Konversionstherapien!
  • Für ein uneingeschränktes Asylrecht und Anerkennung sexueller und queerfeindlicher Verfolgung als Asylgrund!
  • Für kämpferische Gewerkschaften, die nicht nur gegen Entlassungen und Verschlechterungen für die Arbeiter*innenklasse kämpfen, sondern auch jeder Form von Diskriminierung entschlossen entgegentreten!
  • Für gemeinsamen Widerstand aller von Diskriminierung und Sozialabbau Betroffenen!

Wir verwenden den Begriff Queer gleichbedeutend mit LGBTIQ* (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transident, Intersex, Queer). Damit sind alle Menschen gemeint, die sich nicht als Heterosexuell verstehen oder sich mit einem anderen Geschlecht identifizieren. Das Sternchen* soll zeigen, dass es auch Menschen gibt, die sich keiner dieser Kategorien zugehörig fühlen, aber trotzdem unter diesem Schirmbegriff eingebunden sind.