Massenentlassung bei Hydro: Jobs verteidigen, Bosse feuern!

Gestern mussten hunderte Mitarbeiter*innen von Hydro Rolled Products in Grevenbroich bei Neuss eine Schock-Nachricht verkraften: Weil die Profite nicht mehr sprudeln, sollen knapp 500 Stellen gestrichen werden. Auch an anderen Standorten in Deutschland wird der Rotstift angesetzt, insgesamt sind über 700 Arbeitsplätze betroffen.

Darüber informiert wurden die Kolleg*innen freilich nicht von der Leitung, ebensowenig wurden sie gefragt. Irgendwelche Chefs, die vermutlich ein Vielfaches dessen verdienen wie diejenigen, die jetzt gefeuert werden sollen, haben das beschlossen. Und zuallererst die Medien informiert, in der Hoffnung, dass der Aktienkurs steigt. Erst nachdem sie es aus Medien erfahren hatten, wurden die Kolleg*innen von der Leitung informiert. Das ist eine widerliche, respektlose Haltung, die unterstreicht: Für die Konzerne sind wir nur ein Werkzeug zur Profitmaximierung. Sprudeln die Profite nicht mehr, werden wir entfernt, egal was das für unser Leben bedeutet.

Hydro Rolled Products gehört zum norwegischen Konzern Norsk Hydro. Weltweit sind etwa 36.000 Menschen beschäftigt. Auch in unserer Region gibt es weitere Werke. Von dort kann man einiges lernen! Im Werk im grenznahen belgischen Raeren wurde gezeigt, was die richtige Antwort auf Stellenstreichungen ist: Auf die Entlassung von neun Kolleg*innen reagierte die gesamte Belegschaft mit Streik. Vier Stunden Streik und Blockade des Werks haben gereicht, um die Wiedereinstellung zu erzwingen.

Heute Nachmittag findet eine Mitarbeiter*innenversammlung in Grevenbroich statt. Wir wünschen den Kolleg*innen den Mut, ähnliche Wege zu gehen. Wenn man kämpft, kann man auch gewinnen! Unsere Solidarität hätten sie.

Erste Reaktionen zeigen aber auch, wo man keine Verbündeten hat: Der CDU-Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ließ sich von der RP mit den Worten zitieren: „Es ist bitter für die Beschäftigten und das Unternehmen, dass die internationale Entwicklung dazu zwingt, eine so große Zahl an Arbeitsplätzen abzubauen“. Mit anderen Worten: Daran kann man nix ändern. Entsprechend seine Schlussfolgerung: Man müsse bei Firmen in der Region auf Jobsuche gehen. Er ist damit voll auf Linie mit der Konzernleitung: Sie hat ein „Freiwilligenprogramm“ angekündigt. Das heißt in der Regel: Man bekommt eine Abfindung angeboten, damit man bloß nicht auf die Idee kommt um den Arbeitsplatz zu kämpfen. Diesen Gefallen darf man ihnen nicht tun.

Konkrete Schritte könnten nun sein:

  • Kampf um jeden Arbeitsplatz: Wenn der Betrieb lahm gelegt wird kann die Leitung zum Einlenken gezwungen werden. Nötig dafür: Streik und Werksblockade!
  • Investitionen zur Umstellung der Produktion auf nachhaltigere Produkte wie z.B. durch den Ausbau des Recyclingbereichs! Auch so könnten Jobs gesichert werden.
  • Kein Vertrauen in die Leitung: Offenlegung der Geschäftsbücher und der Gehälter aller Leitungsmitglieder!
  • Bosse feuern, nicht Arbeiter*innen! Schließlich haben sie die miese Situation zu verantworten.
  • Alternative zu Entlassungen, wenn die Auftragslage zurückgeht: Arbeitszeitverkürzung bei gleich bleibenden Löhnen zu Lasten der Profiteure!