Vor 80 Jahren: Antisemitische Pogrome

Vor 80 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, fanden die Novemberpogrome im Dritten Reich statt. In dieser Nacht wurden mehrere hundert Menschen ermordet und weit über tausend Synagogen, Friedhöfe und andere jüdische Glaubens- und Kultureinrichtungen zerstört. Hinzu kamen tausende Geschäfte und Privatwohnungen. Die Reichspogromnacht war der Auftakt von Judenverfolgungen ungesehenen Ausmaßes und Grausamkeit bis 1945, die die vollständige Vernichtung der Jüdinnen*Juden zum Ziel hatte. Wir möchten heute der Millionen auf grausame Weise ermordeten Menschen gedenken, müssen aber auch auf die aktuelle Lage hinweisen.

Denn leider ist Antisemitismus kein abgeschlossenes Kapitel in der Geschichte, auch nicht in Deutschland. Rechtsextreme Kräfte sind wieder auf dem Vormarsch: Die AfD spricht von einem "Schuldkult" und von dem Holocaust als einem "Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte" und fordert einen positiven Bezug auf die deutsche Vergangenheit im Geschichtsunterricht. Neonazis versuchen noch nicht einmal ihren Antisemitismus zu verschleiern und marschieren in Dortmund mit der Parole "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit" und Transpis mit der Aufschrift "Ihr werdet sehen, dass eure Verfassung auch Antisemitismus schützt".

Man darf aber auch nicht vergessen, was die Ursachen solcher Probleme sind. In der Weimarer Republik litten viele Menschen unter den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, eines imperialistischen Krieges, der dazu diente, die Profite der Kapitalistenklasse zu steigern. Anstatt aber diesen Klassenwiderspruch zu erkennen, fielen viele Arbeiter*innen auf die Lügen und einfachen Antworten der Faschisten herein. Verantwortlich für ihr Leid machten sie nicht die regressive Regierung und die Firmenbonzen, sondern Menschen aus ihrer eigenen Klasse, weil sie eine andere Religion bzw. vermeintlich eine andere "Rasse" hatten. Die Parallelen zum Rechtsruck in unserer heutigen Gesellschaft sind offensichtlich. Ein großer Teil der Bevölkerung fühlt sich zu Recht von den etablierten Parteien betrogen, doch suchen sie die Antwort in den Parolen der AfD, die ihnen sagt, "die Flüchtlinge" oder "die Muslime" seien Schuld daran, dass es ihnen immer schlechter geht. In Wahrheit aber kommt die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung den Interessen der Wohlhabenden zu Gute, die mit allen Mitteln versuchen, die Arbeiter*innen zu spalten, damals wie heute.

Daher ist für ins klar, dass ein erfolgreicher antifaschistischer Kampf nur mit klassenkämpferischen Positionen geführt werden kann. Unsere Antwort auf Antisemitismus und jeden anderen Rassismus ist die Revolution gegen die bestehenden Verhältnisse.

(Das Bild zeigt die brennende Frankfurter Synagoge sowie Menschen, die tatenlos zuschauen)