Erfolgreicher Protest in Bonn – Reduzierung der Prüfungen im Bachelorstudium angekündigt

Auf der Demonstration in Bonn demonstrierten über 5.000 Menschen unter dem Motto „Kultusminister nachsitzen!“ für ein besseres Bildungssystem. Ein großes Bündnis aus Studierenden, Schülerinnen und Schülern, Gewerkschaftern, Auszubildenden, linken Gruppen und Verbänden protestierte dabei gegen die Unstudierbarkeit des Bachelor/Master-Systems, Bildungsgebühren aller Art und gegen die Selektion in der Bildung. Die Demonstrierenden kamen dabei aus ganz Deutschland. Linksjugend ['solid] nahm mit einem eigenen Block an der Demonstration teil und wurde dabei von Mitgliedern der LINKEN und dielinke.sds unterstützt. DIE LINKE war u.a. mit Nicole Gohlke, hochschulpolitische Sprecherin der linken Bundestagsfraktion, in Bonn vertreten. Gohlke erklärte am Donnerstag, eine Senkung der Arbeitsbelastung sei „angesichts der hohen Abbrecherzahlen unbedingt notwendig“. 38 Wochenstunden seien viel zu viel, „weil zwei Drittel der Studierenden zusätzlich arbeiten müssen“, so Gohlke.

Nachdem die Demonstration sich am Bahnhof Bad Godesberg langsam in Bewegung gesetzt hatte, skandierten die Demonstrierenden immer wieder: „Bildung für alle – und zwar umsonst“. Dieser Ausspruch zeigt die andauernde Unzufriedenheit von SchülerInnen und Studierenden mit den Gebühren im Bildungssystem. Studien zeigen, dass die Gebühren junge Leute aus niedrigen Einkommensschichten vom Studium abschrecken, denn die Jugendlichen wollen nicht mit Krediten in ihr Leben starten. Finn Siebert, hochschulpolitischer Sprecher der NRW-LINKEN erklärte am Rande der Demonstration, es habe in letzter Zeit „sehr viele warme Worte und sehr wenig Konkretes“ von den Kultusministern gegeben. Siebert begrüßte die Blockade und sagte allen BlockiererInnen die  Solidarität seiner Partei zu. Steffi Graf vom Parteivorstand der LINKEN kritisierte besonders die Lippenbekenntnisse der Bundesregierung. Statt wirklich etwas für die Studierenden zu tun, „sorgen Union und FDP jedoch für mehr Eliteförderung und soziale Selektion“, so Graf.

Als der Demonstrationszug endlich am Wissenschaftszentrum in Bonn, dem Tagungsort der KMK, ankam, blieben trotz Regen noch etliche Demonstrierende, um die Kultusminister nachsitzen zu lassen. Eine Volksküche sorgte für das leibliche Wohl, einige Lautsprecher-Wagen für die Musik. Gegen 18 Uhr bröckelte die angemeldete Kundgebung dann so langsam. Lediglich einige hundert Studierende harrten bis in die späten Abendstunden aus. Die Kultusminister hatten wie erwartet wieder einmal nur geredet wurde und wenig Konkretes beschlossen wurde. Henry Tesch, KMK-Vorsitzender, kündigte zumindest eine Senkung der Prüfungslast für die Bachelor-Studiengänge an. Ob dies in die Tat umgesetzt wird, bleibt abzuwarten, würde aber dennoch nicht ausreichen. Denn zentrale Forderungen der Protestbewegung wie Bildungsgebührenfreiheit und uneingeschränkter Master-Zugang werden weiter nicht erfüllt.